Premiere 7. November 2025 — EinTanzHaus Mannheim
Wie formen sich Erinnerung, Identität und Herkunft in der Gegenwart? Und welche Gestalt nehmen sie an, wenn sie im Tanz sichtbar werden? Mit „Doisri“ präsentieren Jonas Frey und COTA projects eine Performance, in der sich Tanz, Klang und Sprache zu einem bewegten Ganzen verbinden, wenn persönliche Erinnerungen auf gesellschaftliche Fragestellungen treffen.
Foto: © Lys Y Seng
„Ein kleines Meisterwerk der Nachdenklichkeit.“
Birgit Karg · Die Rheinpfalz, 11. November 2025
Der Titel Doisri trägt zentrale Bedeutung. In der kreolischen Sprache Sranantongo, die im südamerikanischen Suriname gesprochen wird, ist „Doisri/Doysri“ die Kurzform für „Doysrikondre“ und bedeutet „Deutscher“. Der Begriff Doisri verweist auf die Kindheit von Jonas Freys Vater im Internierungslager Copieweg in Suriname und war eine Zuschreibung, die zugleich Herkunft, Fremdheit und Machtverhältnisse markierte. Auf der biografischen Spur seines Vaters, dessen Interview über seine Zeit in Suriname — als eine von vielen persönlichen Geschichten — im Verzetsmuseum in Amsterdam gezeigt wird, ist eine künstlerische Spurensuche nach Identität und Erinnerung entstanden. Jonas Frey lotet das Spannungsfeld zwischen individuellem Erleben und kollektiver Wahrnehmung aus und fragt in performativen Metaphern, was „Deutschsein“ heute für ihn bedeuten kann.
In Doisri treffen persönliche Erinnerungen auf gesellschaftliche Themen. Anstatt eine lineare Geschichte zu erzählen, entfaltet sich die Performance in Fragmenten: Wie formen sich Erinnerung und Identität in einer getanzten Gegenwart? Die Bewegungen, Klänge, Bilder, Erzählungen und Worte werden zu einem Netz aus sinnlichen Eindrücken. Die bewegliche Struktur des Stücks öffnet Räume für eigene Reflexionen und Interpretation bei den Zuschauerinnen und Zuschauern.
Doisri lädt dazu ein, eigene Erinnerungen, Bilder und Zuschreibungen zu hinterfragen. Das Stück macht spürbar, dass Erinnerung kein fester Zustand ist — sondern etwas, das sich bewegt, verändert und immer wieder neu erzählt werden muss.
Eine Produktion von COTA projects, gefördert durch den Landesverband Freie Tanz- und Theaterschaffende Baden-Württemberg e. V., das Ministerium für Wissenschaft, Forschung und Kunst des Landes Baden-Württemberg und das Kulturamt der Stadt Mannheim. In Kooperation mit EinTanzHaus Mannheim, in Residenz mit La Cap Re|Hub, Recherche in Residenz beim Tanzhaus Zürich. Ermöglicht durch das Residenzprogramm des Netzwerks Réseau GRAND LUXE und die besondere Unterstützung der Tanzsparte des Theaters Freiburg.
Jonas Frey ist zeitgenössisch-urbaner Tänzer, Choreograf und Tanzvermittler aus Mannheim, verwurzelt in der Hip-Hop-Kultur. Gemeinsam mit Julie Pécard und Julia Headley gründete er 2025 COTA projects als Plattform für Kreation und Zusammenarbeit.
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